Was würdest du wählen, wenn jede Entscheidung dich schuldig macht?
Reden wir nicht um den heißen Brei.
Warum diese Geschichte?
Zu gerne würde ich antworten:
Weil es mein Buch ist.
Weil ich Zeit, Gedanken und alles, was ich hatte, hineingesteckt habe.
Aber wir wissen beide, dass das nicht reicht.
Der Markt interessiert sich nicht für den Aufwand hinter einer Geschichte –
sondern für das, was sie auslöst.
Also lassen Sie mich präziser sein.
Meine Geschichten geben keine einfachen Antworten.
Es gibt kein klares Gut oder Böse.
Keine Figuren, die gewinnen, weil sie „die Richtigen“ sind.
Stattdessen treffen sie Entscheidungen –
und tragen die Konsequenzen.
Und genau dort beginnt diese Geschichte.
Wenn Sie die Wahl hätten:
Von Ihrem Erzfeind getötet zu werden –
oder einen Pakt mit einem Dämon einzugehen.
Wofür würden Sie sich entscheiden?
Für den sicheren Tod –
oder für einen begrenzten Spielraum unter fremdem Willen?
Nezh trifft diese Entscheidung.
Nicht, weil sie richtig ist.
Sondern weil sie ihr bleibt.
Sie entscheidet sich für das kleinere Übel –
und beginnt, für ihr Ziel zu kämpfen: Rache an den Magiern.
Doch was bedeutet es, unter dem Willen eines Dämons zu stehen?
Ist es möglich, die Kontrolle zurückzugewinnen –
oder ist selbst dieses Gefühl bereits Teil der Täuschung?
Und wann wird aus einer Entscheidung ein Zustand,
aus dem es kein Zurück mehr gibt?
Die junge Magierin Asira steht auf der anderen Seite dieser Entscheidung.
Sie hört Nezhs Gedanken, als wären es ihre eigenen.
Und sie schweigt.
Bis sie begreift,
dass ihr Schweigen nicht neutral war –
sondern eine Entscheidung mit Konsequenzen.
Als sie handelt, ist es bereits zu spät.
Die ersten Magier haben dafür bezahlt.
Wenn eine Entscheidung nicht mehr hinterfragt wird –
wird sie dann zur Wahrheit?
Oder nur zu etwas, das nicht mehr angezweifelt werden darf?
Nezh stellt diese Frage nicht.
Sie handelt.
Kein Magier soll ungeschoren davonkommen.
Was sie dafür verliert, ist für sie längst kein Maßstab mehr.
Asira hat diese Klarheit nicht.
Und je mehr sie versteht,
desto weniger lassen sich die Dinge einordnen.
Was, wenn ein Dämon kein Dämon ist?
Was, wenn das, was als Wahrheit gilt, nur deshalb existiert,
weil niemand mehr fragt, ob es eine ist?
Wie viele Entscheidungen greifen ineinander,
ohne dass sichtbar ist, wo sie begonnen haben?
Und was passiert,
wenn genau diese Fragen gestellt werden –
in einem System, das darauf angewiesen ist, dass sie es nicht werden?
Was, wenn Ursache und Wirkung sich nicht mehr trennen lassen?
Wenn etwas geschieht,
weil es bereits geschehen ist?
Wenn Menschen Entscheidungen treffen,
deren Ursprung nicht mehr bei ihnen liegt –
und deren Konsequenzen ihnen trotzdem gehören?
Und wenn selbst die Frage nach „Anfang“ und „Ende“
keine eindeutige Antwort mehr zulässt?
Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht, was wahr ist.
Sondern, womit wir bereit sind zu leben.
Das ist der Anfang.